Münsterländische Volkszeitung: Eltern greifen zum letzten Strohhalm

Münsterländische Volkszeitung: Eltern greifen zum letzten Strohhalm

Münsterländische Volkszeitung: Eltern greifen zum letzten Strohhalm

eifen zum letzten Strohhalm

Unterschriften zur Einführung der Sekundarschul-Zweigstelle in Wettringen erhielten Bürgermeister Engelbert Rauen, MdL Christina Schulze Föcking, Schulausschuss-Vorsitzender Norbert Müther und Meike Hoogstoel als Lehrervertreterin (v. l.) am Donnerstag von einigen Eltern. Auf dem Transparent steht: „Schule geschlossen – we are sad“.kös

WETTRINGEN. Es ist der letzte Strohhalm: Zahlreiche Eltern wollen mit einer Unterschriftenliste versuchen, doch noch den Teilstandort Wettringen der Sekundarschule auf die Beine zu stellen. Bettina Haarmann als Initiatorin übergab gemeinsam mit weiteren Eltern sowie Bürgermeister Engelbert Rauen und Frank Brinkjans (Schulamt der Gemeinde) diese Liste mit 300 Unterschriften am Donnerstag an die Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking (CDU). Auch wenn 38 Kinder zu wenig für eine Dependance sind, hoffen sie auf eine Ausnahmegenehmigung. Die Aussichten auf Erfolg sind aber gering.

Die Aktion entstand spontan, am Samstag vor Rosenmontag. „Wir wollen nicht warten, bis die Schule tot ist – wir müssen jetzt was tun, wenn noch ein Fünkchen Hoffnung besteht“, sagte Bettina Haarmann, eine der Mütter. Die Eltern liefen bei beiden Politikern offene Türen ein. „Es ist für dieses Schuljahr gelaufen, so leid es mir tut. Das Ergebnis war der bitterste Tag meiner Amtszeit“, sagte Engelbert Rauen mit Bedauern.

Rauen war zuvor gemeinsam mit seinem Neuenkirchener Amtskollegen Franz Möllering nach Münster gefahren, um den Wettringer Teilstandort der Sekundarschule zu retten. Er habe Verständnis, dass die Bezirksregierung ihre Vorgaben habe. Aber: „Es kann doch nicht sein, dass in Gemeinden unter 10  000 Einwohnern keine weiterbildenden Schulen mehr überleben“, sagte Bürgermeister Engelbert Rauen. Mit dem Wegfall bräche „ein wesentlicher Teil der Gemeinde“ weg. Eher könne er auf die Bürgerhalle oder ein Schwimmbad verzichten, als auf hochqualifizierte Bildung am Ort.

„Ich würde Tag und Nacht etwas unternehmen, wenn es den Hauch einer Chance gäbe“, beteuerte der ehemalige Lehrer Engelbert Rauen. „Er betonte mehrfach die Hoffnung, „es im kommenden Jahr zu schaffen“. Bei den derzeitigen Grundschülerzahlen sehe er aber ebenfalls keine höhere Chance als 50 Prozent. Umso mehr schätzen Christina Schulze Föcking und der Bürgermeister das Engagement der Eltern, sich für die Sekundarschule einzusetzen. „Ohne Sie hätten wir nicht den Rückhalt, uns bei den Behörden einzusetzen“, sagte Schulze Föcking. Sie werde sich gemeinsam mit Kulturpolitiker Thomas Sternberg aus Münster sowohl bei der Bezirksregierung als auch in Düsseldorf für den „Hauch einer Chance“ einsetzen.

Am Donnerstag der vergangenen Woche hatte die Bezirksregierung die Entscheidung getroffen, dass wegen der zu geringen Anmeldezahlen kein Teilstandort Wettringen der Sekundarschule zustande kommt (MV berichtete). Ob die Unterschriftenaktion der Eltern, diese Entscheidung rückgängig machen kann, ist fraglich.

Schulze Föcking hatte sofort zugesagt, als sie am Wochenende von Bettina Haarmann darum gebeten wurde, die Liste entgegenzunehmen und im NRW-Schulministerium abzugeben. „Engagierte Eltern treten für die Dependance in Wettringen ein, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt eine Realisierung nicht möglich erscheint“, sagte Schulze Föcking der MV. Die Erfahrung zeige jedoch, dass man „durch Gespräche und persönlichen Einsatz manches erreichen kann“. So bleibt die Hoffnung, dass sich das Ministerium noch einmal mit dem Thema beschäftigt. Schulze Föcking: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Bei allen Argumenten für den Teilstandort bleiben aber die Schülerzahlen der nächsten Jahre als gewichtiger Gegengrund. Wechseln in diesem Sommer noch 93 Viertklässler auf die weiterführende Schule, sind es im nächsten Jahr lediglich 88, danach nur wenige mehr. Und noch ein Problem begegnet dem Rettungsversuch per Unterschriftenliste: Die Eltern der 38 Kinder mussten sich bis zum Dienstag dieser Woche entscheiden, wohin es nun im Sommer geht. Wie das bei aller Schulplanung wieder rückgängig gemacht werden könnte, ist offen.

Nicht alle wechseln übrigens auf die Sekundarschule nach Neuenkirchen. Der Grund für viele: Dort fehle beispielsweise eine Mensa. So fiel die Entscheidung zuweilen für die Ochtruper Realschule.

Der Versuch, auch Ulrike Eckrodt-Schmeing als Leiterin der Verbundschule und künftige Rektorin der Sekundarschule für das symbolische Foto von der Überreichung der Unterschriftenliste zu gewinnen, schlug übrigens fehl. Sie sagte ab. Das sei eine „hochpolitische Geschichte, und ich bin angehalten, mich da aus allem herauszuhalten“, sagte sie auf Anfrage der MV. Die Funktion der Schulleiterin sei eine rein pädagogische, meinte sie. Ob sie es denn bedauere, dass der Teilstandort nicht errichtet werde? „Ich glaube, dass ich nicht mal das kommentieren darf.“